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kitty

Junior

Beiträge: 7

Wohnort: NRW

Beruf: Hundefan und Rudelbeobachter ;-)

1

Donnerstag, 16. August 2007, 22:57

Prägung, Sozialisierung... Hundepsychologen

Hallo zusammen,

ich habe mir gerade den Thread Mischling oder Zuchthund durchgelesen und mit ENTSETZEN festgestellt, was dort geäußert wurde. Ich hoffe nur, dass über Google nicht allzuviele Neulinge darauf aufmerksam werden und solch unqualifizierte Äußerungen glauben und an ihrem Hund umsetzen.

Es fällt mir schwer, hier so zu schreiben, dass sich niemand angegriffen fühlt. Deshalb werde ich erst einmal ein paar Begriffe erklären.
Diese kann man auch gerne an entsprechende Fachleute weiterleiten und ein paar sehr gute Buchempfehlungen diesbezüglich habe ich auch noch, wenn es diese Leute interessiert.

Denn wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Mit der richtigen Fachliteratur und einer Menge mehrjährigem Praxiswissen, am optimalsten mit Rudelerfahrung (inkl. Würfen) lässt sich vieles schon ganz anders deuten. Auch viele Äußerungen in Fachbüchern bekommen dann eine ganz andere Bedeutung :).

So jetzt mal zum Thema Prägung:
Hier mal ein Zitat aus Wikipedia, da es dort sehr verständlich erklärt wurde:

Prägung nennt man in der Verhaltensbiologie eine irreversible Form des Lernens: Während eines meist relativ kurzen, genetisch festgelegten Zeitabschnitts (sensible Phase) werden Reize der Umwelt derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoir aufgenommen, dass sie später wie angeboren erscheinen. Im Rahmen der Instinkttheorie wird das Phänomen Prägung gedeutet als die Aneignung eines Schlüsselreizes durch Lernen.
Zitat Ende.

Jetzt zum Thema Zeit.

Zitat von Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen aus dem Buch von Inge Hansen "Handbuch der Hundezucht":

"Die sensible Periode, in der sehr einprägsam und nachhaltig gelernt wird, liegt bei Hunden zwischen der 3. und 14. Wcohe nach der Geburt mit einem Höhepunkt in der 7. Woche. Bei gleichzeitigem Kontakt mit zwei Arten (Hund und Mensch) in dieser sensiblen Phase findet eine "Doppelprägung" statt. Die Prägung z. B. auf Hund und Mensch in dieser frühen Entwicklung läßt sich in einem späteren Alter nur schwer nachholen, sie ist nahzu irreversibel (nicht mehr umkehrbar)."
Zitat Ende

Und jetzt kommt ein wichtiger Übergang :-)

Es geht im o.g. Zitat weiter :-):

"Um eine Sozialisierungsfähigkeit sowie bestimmte Verhaltensreaktionen im sozialen Bereich ausbilden zu können, müssen bestimmte soziale Reize in dieser Phase auf den Welpen einwirken. Fehlen diese, kommt es zu schweren sozialen Fehlenetwicklungen und zu späterer Unfähigkeit, sich sozial anzupassen. Diese Entwicklungsschädigungen erweisen sich in vielen Fällen als außerordentlich dauerhaft und in schweren Fällen als unumkehrbar...

Eine Prägung ist nur in dieser kurzen, befristeten Zeit möglich."

Zitat Ende.

Dieses ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Kapitel Prägung. Es ist also viel komplexer als es oft in vielen Hundeschulen abgetan wird mit den Worten:

In der Prägephase muss der Hund viele Geräusche kennengelernt haben :-(
Das gehört zwar auch dazu, ist aber nur ein kleiner Teil. Die Prägung auf Hund und Mensch ist der Anfang und um so mehr man darüber weiß, um so besser lassen sich die Welpen auf den Hund und den Menschen prägen :-).

Es geht später weiter :-)
Viele Grüße

Kitty

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."

Zitat von Antoine de Saint-Exupéry

Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von »kitty« (16. August 2007, 23:35)

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kitty

Junior

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2

Donnerstag, 16. August 2007, 23:34

Zum Thema Hundepsychologen:

Wie schon in diesem Forum aufgeführt wurde, ist diese Berufsbezeichnung nicht geschützt.

Soweit so gut. Jemand mit genügend Hundeverstand erlernt aus viel Theorie (besonders von Verhaltensforschern) und aus viel Praxis (optimal wenn Zuchterfahrung mit Rudelanhang besteht, da viele Situationen und Maßregelungen von den Rudeltieren den Welpen gegenüber so deutlich in der Fachliteratur nicht zu finden sind oder ohne Praxis nicht richtig zu deuten sind) sein Wissen. Diese Personen/Fachleute können schon an wenigen Äußerungen einen Hundepsychologen in qualifiziert und unqualifiziert einstufen ;).

Leider gibt es aber auch die "unerfahrenen" Hundebesitzer. Diejenigen, die nichts falsch oder nicht weiter etwas falsch machen wollen. Die, die jetzt den optimal wirksamen Weg der Erziehung einschlagen wollen. Die, die eine feste Bindung zu ihrem Hund erhalten wollen und zwar für sein LEBENLANG und nicht bis zur dann nächsten notwendigen Sitzung :-(, da halt nicht die richtige Begleitung der Besitzer vorhanden war.

WAS IST MIT DIESEN MENSCHEN????

Diese gehen zu einem Hunde"psychologen". Das Wort Psychologe alleine suggeriert ja schon Sicherheit durch die Verknüpfung aus der Humanmedizin.

Das bedeutet, dass der "Anfänger" sich erst einmal gut aufgehoben fühlt.

Leider hört oder erfährt man allzuoft genau das Gegenteil. Oft hört man sogar Äußerungen, die einem die Nackenhaare aufstellen lassen. Hier z. B. eine Prägung bis zum 6. Monat *kopfschüttel*.

Ich hoffe, dass hier derjenige seine Hundepsychologin nicht richtig verstanden hat oder es mangels Wissen noch nicht richtig umsetzen konnte. :evil:

Da komme ich gleich zum nächsten Punkt.

Nicht jeder Hundepsychologe, Hundeflüsterer oder einfach auch "Fachmann/-frau für Hundeentwicklung, -verhalten, -erziehung, -ausbildung" ist so schlecht wie sein Ruf.

Leider wird häufig Gehörtes nicht richtig umgesetzt oder verstanden. Man macht sich seinen eigenen Reim aus den vielen schon gelesenen oder wo anders gehörten Dingen mit denen, die der Hundespychologe usw. geäußert hat.

Leider wird solch eine Fachkraft damit diskreditiert, obwohl sie überhaupt nichts dafür kann, sondern einfach nicht verstanden wurde :-((((

Damit haben halt auch Fachleute zu kämpfen. Allerdings lässt es qualifizierte Fachleute nicht kritikresistent werden, sondern es animiert diese Leute es beim nächsten Mal noch deutlicher bzw. leicht verständlicher wiederzugeben.

Meine Äußerungen zu diesem Thema sollen keinen Angriff oder eien Beleidigung darstellen, sondern zum Nachdenken und auch diskutieren anregen, in der Hoffnung, auf einen vernünftigen Konsens.
Viele Grüße

Kitty

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."

Zitat von Antoine de Saint-Exupéry

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »kitty« (17. August 2007, 00:24)

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kitty

Junior

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3

Freitag, 17. August 2007, 12:43

Sozialisierungsphase

Zweiter Versuch zur Sozialisierungsphase ;)

Zitat aus dem Buch "Mein Westie" von A. Rehm/D. Kittel:

"Sozialisierungsphase

Ziel aller Jugendentwicklung des Hundes ist beste soziale
Partnerschaft mit dem Artgenossen an der er in dieser Phase aktiv
„arbeitet“ und lernt.

Beobachter sehen nun häufiger Kampfspiele. Spielerisch werden
taktische Bewegungsweisen und auch erste Formen (gegen Ende
dieser Phase ausgereift) von Ausdrucksverhalten, unter anderem den
oft zitierten „Calming Signals (Beschwichtigungsignale) werden
sichtbar.
Der Hund lernt nun „zu sprechen“, mit dem Gegenüber aktiv zu
kommunizieren, mit Blick, Gestik, Körperhaltung und Lautäußerungen.
Sieger- und Verliererspiele mit tauschenden Rollen, fördern
Erkenntnisse, die der Hund sowohl in der „hündischen“
Sozialordnung, wie auch im menschlichen Rudel benötigt. Im Eifer
des Gefechts kommt es nicht selten zu Abwehrreaktionen und
Schmerzlauten der Hunde,
wenn zu fest oder in
empfindliche Körperteile
gebissen wurde. Dieses lehrt
die Welpen die so genannte
„Beißhemmung“ zu konditionieren,
der Heranwachsende
lernt dabei, seine
eigenen Kräfte abzuschätzen
und unter geeignete Kontrolle
zu bringen.
Und auch hier ist der Mensch wieder ein entscheidender Teil des
sozialen Gefüges, nun muss dem kleinen „Halbstarken“ deutlich
gemacht werden, dass Hände, Zehen und Nasen nicht aus Beton
und schmerzunempfindlich sind, sondern dass er auch seinem
Familienpartner „Mensch“ geeignete Spielgrenzen zukommen lassen
muss. Das erlernte Verhalten führt sein Leben lang dazu, dass er
Beißspiele „sanft ausführt“. Das konditionierte Verhalten durch
Geschwister, Rudeltiere und Menschen wird mehr und mehr zur
festen Regel, welche ernsthafte Beschädigungen, Verletzungen und
damit eine Schwächung des Sozialverbandes verhindert.
So entwickeln sich also aus dem kindlichen Spiel soziale
Verhaltensweisen, die in dieser Phase für alle Zeiten festgelegt wird.

Der Hund ist eben ein Lerntier und so erfordert die Förderung seiner
Sozialentwicklung und dessen, was dabei gelernt wird, unsere größte
Aufmerksamkeit. Intensität und Umfang der sozialen Partnerschaft
zwischen Mensch und Hund
werden jetzt in der
Sozialisierungsphase unwiderruflich
geprägt und wirken für
alle weitere Zukunft auf fast alle
Eigenschaften des Hundes ein."


Zitat Ende

Hallo Dennys,

danke für die Aufmerksamkeit. Ich habe zwar nur aus einem DIN A6 Buch zwei Absätze zitiert und bin der Überzeugung, dass ich damit für dieses Buch (für den Verlag), leider nicht mehr für den Autor, da er schon lange tot ist, eher Werbung mache, als dass man sich nun das Buch sparen könnte. Ganz im Gegenteil. Es war halt von Herrn Trumler hervorragend verständlich geschrieben. Jegliche Umschreibung wäre schon fast eine Schande ;).

Aber sicher ist sicher :).

Den zweiten Absatz möchte ich aber trotzdem noch von Eberhard Trumler aus dem Buch "Mit dem Hund auf du" (ISBN:3-492-21135-6) zitieren:

"...

Das ändert sich nun. Jetzt wird es Zeit, den Kleinen zu einem anständigen und brauchbaren Hund zu erziehen, der in der Gemeinschaft später einmal seinen "Hund stellt" und selbst wieder anständige Hundekinder erziehen kann. So unglaublich es klingt: Es gibt hier tatsächlich ein abgestuftes, wohlausgewogenes Erziehungsprogramm. Eines, das nicht "anti-autorität ist, sondern sehr autoritär. Freilich muss man hinzusetzen, dass die Hunde-Autorität etwas ganz anderes ist als jene Pseudo-Autorität, wie sie in abendländischen Gesellschaftsformen entwickelt wurde und die sich darin gefällt, zwischen Kind und Vater ein Untertanen-Obrigkeitsverhältnis zu errichten. ..."

Zitat Ende.

@Dennys: Das erste Zitat ist in dieser Länge schon in Ordnung, da ich eine der Schriftstellerinnen bin und Frau Rehm auch damit einverstanden ist.
Viele Grüße

Kitty

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."

Zitat von Antoine de Saint-Exupéry
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